Gestern beim Einkaufen bin ich unterwegs so einer richtigen Mrs. Perfect begegnet. Die versuchte ich auf einem schmalen Gehweg vorsichtig zu überholen. Die Dame trug einen stylischen Blümchen-Mundschutz und ging echt sehr, sehr langsam. Um ihr nicht zu nah zu kommen, setzte ich einen verbalen Blinker und sagte freundlich: „Ich überhole Sie jetzt mal links.“ Sie wich daraufhin übertrieben hektisch zur Seite und ranzte mich dann mit vernichtendem Blick schnippisch an: „Wie wäre es mal einfach mit einem Mundschutz?“

Hm … atmen, Helene … Dann drehte ich mich rum und fauchte:

Was soll das?

Damit hatte sie irgendwie nicht gerechnet, sich jedoch dann schnell berappelt. Sie begann, mir eine saftige Moralpredigt über Solidarität und Rücksichtnahme zu halten. Klang gut. Machte nur, angesichts ihrer eigenen Unfreundlichkeit irgendwie nicht richtig Sinn. Hat sie aber gar nicht gemerkt.

Ich gehe also fröhlich einkaufen und – zack – bin ich mittendrin im Kampf zwischen den Lagern: die ohne und die mit Mundschutz! Krass, oder? Ich erinnerte mich prompt an eine Frage aus dem sehr empfehlenswerten und aus meiner Sicht klugen Artikel zur aktuellen Situation von Charles Eisenstein (verlinke ich unten):

Heißt menschliche Fortentwicklung Getrenntheit? Ist das die Zukunft?

Er zitiert weiterhin Deborah Tannen, die schreibt: „Wir wissen nun, dass Dinge anzufassen, in der Nähe anderer Menschen zu sein und Luft in geschlossenen Räumen zu atmen, riskant sein kann… Es könnte zu unserer zweiten Natur werden, vor einem Händedruck oder Berührungen des Gesichts zurückzuschrecken, und so wie wir uns pausenlos die Hände waschen, könnte man fürchten, dass wir alle einer kollektiven Zwangsstörung zum Opfer fallen.“

Ich finde es echt wichtig, darüber einmal nachzudenken! Wo kann es hinführen, wenn sich unsere Gehirne z.B. diesen Sicherheitsabstand einprägen und unser Unterbewusstsein auch in krisenfreien Zeiten Alarm schlägt, sobald jemand diesen Abstand nicht einhält? Ob wir etwas dagegen tun können? Klar: sich dessen bewusst sein und gut auf sich achten!

Nach diesem Einkaufserlebnis hatte ich irgendwie das Bedürfnis, ein vor einiger Zeit geschriebenes Gedicht aus der Schublade zu holen, zu dem ich auch ein Bild gemalt hatte. Daraus habe ich dieses Video gemacht. Es ist ein Statement zu mehr Leichtigkeit statt Frust!

Denn auch dies sagt Charles Eisenstein in seinem Artikel:

„Das Leben heilig zu halten bedeutet nicht nur, einfach lang zu leben, sondern gut und richtig und voll zu leben.“ 

Na denn: Es lebe die Lust!